50 Jahre Nobelpreis für Forßmann: 1. Herzkatheter im Selbstversuch

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Der berühmte Arzt Ferdinand Sauerbruch fällte 1929 ein vernichtendes Urteil: «Damit kann man in der Chirurgie überhaupt nichts anfangen» - und warf Werner Forßmann aus der Berliner Charité. Gerade hatte ihm der Jungmediziner von seinen Selbstversuchen zur «Sondierung des rechten Herzens» - heute die Herzkatheterisierung - am Eberswalder Krankenhaus berichtet. Sauerbruch sollte falsch liegen: Am 10. Dezember 1956 - vor nunmehr 50 Jahren - erhielt Forßmann für seine Pionierleistung gemeinsam mit zwei Amerikanern den Nobelpreis für Medizin.

Ohne die Selbstversuche von Forßmann im Jahr 1929 und die darauf aufbauenden Forschungen der amerikanischen Wissenschaftler müsste die moderne Herzdiagnostik und -therapie auf ein inzwischen unentbehrliches Hilfsmittel verzichten: Als 25-Jähriger hatte Forßmann am eigenen Körper bewiesen, dass ein Katheter gefahrlos über eine Vene in das Herz geschoben werden kann. Das Ganze geschah heimlich in «Komplizenschaft» mit einer OP-Schwester, denn der Eberswalder Klinikchef hatte derartige Experimente untersagt.

«Im Handumdrehen hatte ich meine linke Ellenbeuge narkotisiert und wartete auf die Betäubung. Ich durchtrennte mir schnell die Haut, schob einen Katheter 30 Zentimeter weit hinein, packte Mull darauf und wickelte ein steriles Tuch darum. Vor dem Röntgenschirm schob ich die Sonde mit ihrer Spitze in die Herzkammer, genau wie ich es mir vorgestellt hatte. Als dokumentarischen Beweis ließ ich Röntgenaufnahmen machen», berichtete Forßmann anschließend.

Sein Klinikchef erkannte, dass er «etwas Großartiges entdeckt» hatte. Denn mit der von Forßmann entwickelten Untersuchungsmethode konnten Herzfehler und -erkrankungen, besonders angeborene Missbildungen in ihrer Lage genau bestimmt werden. Der Eberswalder Klinikchef verschaffte Forßmann eine unbezahlte Stelle bei Sauerbruch an der Berliner Charité. Doch nach der Veröffentlichung der Selbstversuche in einer medizinischen Zeitschrift musste Forßmann gehen und sich anderswo eine Stelle suchen. Völlig überraschend kam dann 1956 der Nobelpreis. Forßmann starb am 1. Juni 1979 in Schopfheim (Baden-Württemberg).