Frauen in Deutschland

Frauen in Deutschland: Es bleibt noch viel zu tun

Am 8. März wird der Internationale Weltfrauentag gefeiert. Trotz erheblicher Fortschritte auf dem Gebiet der Gleichstellung von Männern und Frauen in Deutschland, bietet dieser Tag jedes Jahr aufs Neue die Gelegenheit, den Stand der Gleichstellungspolitik in Deutschland kritisch zu beleuchten. Obwohl mit der Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin im Jahr 2005 erstmals eine Frau auf dem wichtigsten Posten der bundesdeutschen Politik angekommen ist, zieht auch sie eine durchwachsene Bilanz und nimmt den Internationalen Frauentag als Ansporn, um „mehr zu tun, um die wirkliche Gleichberechtigung der Frauen im täglichen Leben durchzusetzen.“ Das bedeutet, dem Anspruch und den Rufen vieler Frauen und zivilgesellschaftlicher Organisationen nach gesellschaftlichen Veränderungen, auch an den anderen 355 Tagen im Jahr gerecht werden zu wollen.

Im deutschen Grundgesetz sind die Voraussetzungen hierfür in Artikel 3 gelegt, der nicht nur die Gleichberechtigung von Männern und Frauen verfassungsrechtlich festlegt, sondern in einem Zusatz auch festschreibt, dass der Staat auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken muss. Das 2006 in Kraft getretene „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“, die Anti-Diskriminierungspolitik der EU und die Unterzeichnung Internationaler Abkommen zum Schutz, zur Förderung und Gleichstellung von Frauen bieten gute Grundlagen für das Ziel, Männern und Frauen gleiche Lebenschancen und –realitäten zukommen zu lassen.

Noch gibt es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Obwohl Frauen ihren Bildungsvorsprung gegenüber Männern innerhalb der letzten zehn Jahre ausbauen konnten, sind sie nicht entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung in der Berufswelt anzutreffen. Frauen besetzen zwar auch in Deutschland immer häufiger Führungspositionen – verzichten dann aber meist auf Kinder. Die Vereinbarung von Mutterschaft und Karriere bleibt damit problematisch. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes sind im Jahr 2013 56% der Berufstätigen männlich und 10% aller beschäftigten Männer Führungskräfte. Bei den beschäftigten Frauen sind dies nur 4%. Eine ausgewogene Teilhabe von Männern und Frauen am Familien- und Berufsleben ist, insbesondere wenn kleinere Kinder vorhanden sind, meist nicht gegeben. Während die Mehrheit von Müttern (55%) keiner Berufstätigkeit nachgeht, sind die entsprechenden Väter mit 82% fast doppelt so oft berufstätig. Nicht nur in der Privatwirtschaft, beispielsweise auch im Bereich der Hochschulprofessuren ist der Frauenanteil mit 16,2% bundesweit sehr gering.

Eine ähnliche Ungleichheit ist beim Lohnniveau anzutreffen. Frauen verdienen bei gleicher Qualifikation deutlich weniger als Männer. Der Deutsche Gewerkschaftsbund spricht im Durchschnitt von 22% weniger Entgelt für Frauen als für Männer. Mögliche Gründe für die Einkommensungleichheit sind unter anderem familiäre Ausfallzeiten, die zu einer Rückkehr zu traditionellen Rollenverteilungen führen sowie eine geschlechtsspezifische Berufswahl.

Um die Stellung von Frauen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen zu stärken, werden nicht nur Maßnahmen für flexible und familienbewusste Arbeitszeiten entwickelt, sondern auch versucht, die Rolle von Männern jenseits herkömmlicher Klischees und überholter Rollenvorstellungen neu zu definieren. Die gegenwärtige Bundesregierung plant, typische Frauenberufe, z. B. in der Pflege aufzuwerten, eine hochwertige Kinderbetreuung sicherzustellen und das Elterngeld weiterzuentwickeln und zu verbessern.