Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung für Kids

Dachdecker bei der Arbeit Bild vergrößern Schwindelnde Höhen (© picture alliance / dpa)

Arbeit ist wichtig für die Menschen. Das ist jedem klar – denn ohne Arbeit hat man kein oder nur wenig Geld. Außerdem fehlt einem etwas anderes wichtiges, was einem manchmal erst gar nicht so richtig auffällt: Arbeit bietet oft auch einen Sinn im Leben. Wer Arbeit hat, hat etwas zu tun, und erfährt das Erfolgserlebnis, etwas Sinnvolles getan zu haben. Das kann bei einer Ärztin die Untersuchung oder Beratung von Patienten sein, bei einem Lehrer die Ausbildung von Kindern. Ein Busfahrer hat Abends das gute Gefühl, andere Menschen zu ihrer Arbeit oder ihren Freunden gebracht zu haben, und der Straßenfeger hat für eine schönere Stadt gesorgt. Bauern können auf ihr gepflügtes Feld blicken oder die Ernte einholen. Köche und Bäcker machen mit ihren Produkten andere satt und glücklich, der Kellner bringt mit dem Essen häufig direkt auch ein Lächeln auf das Gesicht der Gäste. Und Handwerker schaffen sogar ganz greifbare Dinge: eine frisch gestrichene Wand, ein stabiler Tisch oder Stuhl, eine sicher verlegte Stromleitung Maler bei der Arbeit Bild vergrößern (© ZDH-Zentralverband des Deutschen Handwerks)

Gerade Produkte aus Deutschland genießen in Georgien ein sehr hohes Ansehen. Das liegt sicher zum einen daran, dass die Produktion in Deutschland auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Zum anderen liegt es an stabilen Rahmenbedingungen. Hierzu zählt fast alles, was unter „Guter Regierungsführung“ beschrieben ist. Aber hierzu zählt auch, dass es klare Gesetze gibt, die für faire Bedingungen sorgen. So hat jeder die Möglichkeit, im Wettbewerb zu bestehen. Manche Regeln sind auch sehr streng: Arbeitnehmer haben z.B. viele Rechte in Deutschland – wie in der gesamten EU – und müssen vor vielen Gefahren geschützt werden. Hierzu zählt z.B., dass Bauarbeiter Helme und Stiefel tragen müssen und dass Frauen in manchen Berufen gar nicht mehr arbeiten dürfen, wenn sie ein Kind erwarten – Geld bekommen sie aber weiterhin. Hierzu zählt aber auch, dass Arbeitnehmer regelmäßige Pausen haben müssen, nicht zu viele Stunden am Tag arbeiten dürfen und mindestens vier Wochen im Jahr Urlaub haben. Solche Regeln gibt es natürlich auch in Georgien, und bald werden es noch mehr, die aus der EU übernommen werden – die EU-Annäherung bedeutet damit ganz direkt, dass sich das Leben in Georgien dem in der EU anpasst. 

Außerdem gibt es in Deutschland viele Menschen, die ihre Arbeit sehr gerne und gründlich machen, und dafür auch gut ausgebildet sind. Viele deutsche Jugendliche machen Abitur und wollen studieren, aber sehr viele lernen auch einen praktischen Beruf, sie machen eine Ausbildung. In Deutschland gilt man längst nicht mehr als dumm oder schlecht, wenn man eine Berufsausbildung macht, sondern oft als ziemlich clever. Denn man lernt etwas praktisch nützliches, findet damit ziemlich sicher einen Job – und verdient oft mehr Geld als diejenigen, die studiert haben. Gerade die Handwerker fahren oft die tollsten Autos! Denn die Kunden und Arbeitgeber in Deutschland legen Wert auf gute Qualität, und es ist anerkannt: Qualität hat ihren Preis. Außerdem ist es in Deutschland üblich, dass die Auszubildenden bereits während der Lehre einen Ausbildungsvertrag mit einer Firma haben. Sie gehen also regelmäßig in diese Firma, lernen und arbeiten dort – und bekommen dafür sogar (ein wenig) Geld. Kleinstprojekt "Telecentro" in Sao Paulo Bild vergrößern (© dpa-Report)

Auch in Georgien gibt es viele Firmen, die gerne gut ausgebildete Menschen einstellen würden. Und es gibt einige gute Berufsschulen und Initiativen. Leider fehlt es oft an interessierten Jugendlichen, die sich vorstellen können, mit ihren Händen etwas Praktisches zu schaffen. Die schnell und viel lernen wollen, und mit ihren neuen Kenntnissen einen guten Job finden.

Deutschland arbeitet auf verschiedene Art und Weise für eine Verbesserung der wirtschaft­lichen Situation in Georgien, wir nennen dies für eine „Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung“. 

Ein paar unserer Aktivitäten führt die GIZ durch, die mit ihrem Programm Privatwirtschafts­entwicklung im Südkaukasus die Privatwirtschaft in ausgewählten Sektoren (Tourismus, Wein, Bau) fördert. Die sich um eine Verbesserung der wirtschafts- und bildungspolitischen Rahmenbedingungen und um berufliche Qualifizierung kümmert.

Die GIZ und einige andere Experten arbeiten mit guten Berufsschulen zusammen, aber auch mit der Regierung, dem Haus des Lehrers – und den Firmen selbst, die sich in der Ausbildung engagieren könnten.

Auch die Sequa gGmbH engagiert sich im Bereich der Berufsbildung: Das Bildungswerk der Wirtschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V. beginnt gerade eine Bildungspartnerschaft mit den Arbeitgeberverbänden im Südkaukasus, um die Unternehmen zu unterstützen, die Auszubildende aufnehmen würden. Zudem gibt es über die Industrie- und Handelskammer (IHK) München eine Kammer- und Verbandspartnerschaft mit der georgischen Industrie- und Handelskammer (GCCI) zur Stärkung der Rahmenbedingungen für KMU.

Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) ist, wie die GIZ, durch die Bundesregierung beauftragt, ein Projekt umzusetzen: Stärkung der Lebensmittelanalytik und Metrologie in den Ländern des südlichen Kaukasus. Das klingt etwas kompliziert, und das ist es auch. Aber es ist auch sehr wichtig: die PTB arbeitet mit vier privaten Lebensmittelprüflaboren in Georgien und der georgischen National Agency for Standards and Metrology (GeoSTM) zusammen. Denn damit Lebensmittel verkauft oder exportiert werden können, müssen sie getestet werden, ob sie auch sicher sind und z.B. keine Krankheitserreger erhalte Labor Bild vergrößern Labor (© picture-alliance / dpa)

Für die meisten Wirtschaftsunternehmen ist es sehr wichtig, dass es regelmäßig Strom gibt, damit die Maschinen nicht beschädigt werden. Die KfW finanziert daher den Ausbau und die Stärkung des georgischen Stromübertragungsnetzes.

Die KfW fördert mit insgesamt 25 Mio. Euro die Finanzsystementwicklung. Dabei geht es darum, dass Georgier, die eine wirtschaftliche Tätigkeit ausüben, von den Banken richtig behandelt werden. Zum Beispiel erhalten kleine Unternehmen so leichter sog. Mikrokredite und die KfW unterstützt die Regierung bei der Einführung einer Agrarversicherung, falls einmal die Ernte ausfällt

Auch die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation engagiert sich in Projekten, damit Finanzdienst­leistungen – also v.a. Kredite – verantwortungsvoll angeboten werden. Denn ein Kredit macht nur dann Sinn, wenn man auch die Möglichkeit hat, ihn zurückzuzahlen. Bei einer Investition ist das der Fall, wenn man z.B. eine Maschine kauft, mit der man mehr produzieren kann, und dadurch mehr Geld einnimmt. Eine Bank sollte das alles genau prüfen, bevor sie einem Kunden einen Kredit gibt. Und die Zinsen dürfen nicht so hoch sein, dass dadurch die Rückzahlung des Kredits gefährdet wird. Euroscheine Symbolbild Bild vergrößern Wenn's um Geld geht... (© dpa/pa)

Der Deutsche Volkshochschulverband DVV International betreibt in Georgiens Regionen aktuell neun Erwachsenenbildungs­zentren, hier kann man vieles lernen, was man braucht, um einen Job zu finden oder eine Firma zu führen – z.B. Computerkenntnisse oder Sprachen.

Über den Senior Expert Service können Firmen zudem pensionierte Fachkräfte aus Deutschland einladen, die dann mehrere Wochen lang ihr Unternehmen ehrenamtlich beraten.

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